Ladungssicherung: Wer ist verantwortlich und was gehört in die Unterweisung?
- Die Ladung muss so gesichert sein, dass sie auch bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichen an ihrem Platz bleibt (§ 22 StVO).
- Verantwortlich sind mehrere: der Fahrer, der Verlader und der Halter des Fahrzeugs.
- Maßstab sind die anerkannten Regeln der Technik, vor allem die VDI 2700 und die DIN EN 12195-1.
- Alle, die laden oder sichern, sollten jährlich unterwiesen werden, am besten mit Praxis am eigenen Fahrzeug.
„Die Ladung ist schwer, die rutscht schon nicht.“ Diesen Satz hören wir oft. Doch bei einer Vollbremsung drückt eine Palette mit 1.000 kg mit rund 800 kg nach vorne. Das Gewicht allein hält sie nicht. Gute Ladungssicherung ist deshalb kein Hexenwerk, sondern Wissen und Routine. Und die lässt sich lernen.
Was verlangt das Gesetz?
Nach § 22 Abs. 1 StVO müssen Ladung, Sicherungsmittel und Ladeeinrichtungen so verstaut und gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen oder herabfallen. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.
Welche Regeln das sind, beschreibt vor allem die Richtlinienreihe VDI 2700. Die Kräfte, für die gesichert werden muss, legt die DIN EN 12195-1 fest. Für Beschäftigte kommt der Arbeitsschutz dazu: Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass niemand gefährdet wird (§ 37 DGUV Vorschrift 70).
Wer ist verantwortlich?
Ladungssicherung ist Teamarbeit. Mehrere Personen tragen Verantwortung, jede für ihren Teil:
| Wer | Aufgabe | Grundlage |
|---|---|---|
| Fahrer | prüft vor der Abfahrt, ob die Ladung sicher ist, und fährt erst los, wenn alles stimmt | § 23 Abs. 1 StVO, § 22 StVO |
| Verlader | lädt, staut und befestigt die Ladung beförderungssicher | § 22 StVO, § 412 HGB |
| Halter (Unternehmen) | stellt ein geeignetes Fahrzeug und genug Sicherungsmittel bereit und lässt keine unsicher beladene Fahrt zu | § 31 Abs. 2 StVZO |
| Frachtführer | sorgt für die betriebssichere Verladung, also dass das Fahrzeug selbst sicher fahren kann | § 412 HGB |
Auch Disponenten spielen eine Rolle: Wer Touren plant, entscheidet mit, ob Fahrzeug, Aufbau und Sicherungsmittel zur Ladung passen.
Welche Kräfte wirken auf die Ladung?
Die DIN EN 12195-1 rechnet im Straßenverkehr mit diesen Kräften, jeweils bezogen auf das Gewicht der Ladung:
- nach vorne: 0,8, also 80 % des Gewichts (Vollbremsung),
- zur Seite: 0,5, also 50 % (Kurven und Ausweichen),
- nach hinten: 0,5, also 50 % (Anfahren, Rangieren).
Die Reibung zwischen Ladung und Ladefläche hilft dabei mit. Wie stark, hängt vom Material ab. Mit Antirutschmatten steigt die Reibung deutlich. Dann braucht man weniger Zurrgurte.
Die zwei Grundprinzipien
- Formschluss: Die Ladung steht lückenlos an der Stirnwand, an den Seitenwänden oder an anderer Ladung an. Lücken werden mit Paletten, Luftsäcken oder Sperrbalken gefüllt. Das ist oft die einfachste und sicherste Lösung, wenn der Aufbau stabil genug ist.
- Kraftschluss (Niederzurren): Zurrgurte drücken die Ladung auf die Ladefläche. Dadurch steigt die Reibung, und die Ladung bleibt liegen. Entscheidend ist hier die Vorspannkraft (STF), nicht nur die Stärke des Gurts.
Daneben gibt es das Direktzurren: Die Gurte verbinden die Ladung direkt mit den Zurrpunkten des Fahrzeugs, zum Beispiel bei Maschinen. In der Praxis werden die Methoden oft kombiniert.
Ob der Aufbau Kräfte aufnehmen kann, steht im Nachweis nach DIN EN 12642 (Code L oder Code XL). Ein verstärkter Aufbau nach Code XL kann bei formschlüssiger Beladung einen großen Teil der Sicherung übernehmen.
Zurrgurte richtig prüfen
Zurrgurte nach DIN EN 12195-2 tragen ein Etikett mit den wichtigsten Werten, zum Beispiel der Zurrkraft (LC) und der Vorspannkraft (STF). Vor jedem Einsatz gilt ein kurzer Blick. Ein Gurt gehört aussortiert, wenn
- das Etikett fehlt oder nicht mehr lesbar ist,
- das Gewebe Einschnitte oder Scheuerstellen hat oder eine Naht beschädigt ist,
- Ratsche oder Haken verformt, angerissen oder stark verrostet sind,
- der Gurt durch Hitze oder Chemikalien verfärbt oder verhärtet ist.
Über scharfe Kanten nie ohne Kantenschutz zurren. Das schont den Gurt und sorgt dafür, dass sich die Vorspannung gleichmäßig verteilt.
Checkliste vor der Abfahrt
- Passt das Fahrzeug zur Ladung, und stimmt die Lastverteilung? Schwere Teile gehören nach unten und in die Mitte.
- Steht die Ladung formschlüssig, oder sind Lücken gefüllt?
- Sind genug Zurrgurte, Antirutschmatten und Kantenschutz an Bord und in gutem Zustand?
- Sind die Gurte gespannt? Nach den ersten Kilometern und nach jedem Teilabladen nachprüfen.
- Sind Plane, Türen und Bordwände geschlossen und verriegelt?
Bei einer Kontrolle darf erst weitergefahren werden, wenn die Ladung ordentlich gesichert ist. Mit Routine kostet eine gute Sicherung dagegen nur wenige Minuten.
Was gehört in die jährliche Unterweisung?
Wie alle Beschäftigten müssen Fahrer und Verlader mindestens einmal im Jahr zu den Gefahren ihrer Arbeit unterwiesen werden (§ 12 ArbSchG, § 4 DGUV Vorschrift 1). Beim Thema Ladungssicherung haben sich diese Inhalte bewährt:
- Verantwortung von Fahrer, Verlader und Halter
- Kräfte beim Transport und die Rolle der Reibung
- Formschluss, Niederzurren und Direktzurren
- Sicherungsmittel richtig einsetzen und prüfen
- Übungen am eigenen Fahrzeug und mit der eigenen Ladung
Dokumentiert wird die Unterweisung mit Datum, Themen und Unterschrift der Teilnehmenden. So haben Sie bei einer Kontrolle oder nach einem Schaden alles schnell zur Hand.
Den Überblick behalten
Wer wurde wann zur Ladungssicherung unterwiesen, und bei wem wird es bald wieder Zeit? In unserem Ampel-System sehen Sie das für jeden Mitarbeitenden auf einen Blick. Auf Wunsch legen wir die Ladungssicherung mit anderen Unterweisungen auf einen gemeinsamen Termin.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Stand: September 2026.